Drei Learnings aus Amie McNees „We need your Art“
Von Prokrastination über Perfektionismus bis hin zum Fertigwerden und Geduldigsein: Amie McNees Buch hat mir geholfen, mit diesen Problemen im Künstler:innen-Dasein umgehen zu lernen. Wie das passiert ist, erzähle ich hier.
Soll ich aufgeben? Ich lasse es lieber. Es gibt doch schon so viel Kunst, wer will denn da meine noch sehen? Und was werden die “erfolgreichen” Künstler:innen wohl über mich denken? Ich putze lieber erst einmal das Atelier, bevor ich anfange.
Na, erwischt?
Die meisten Kreativen werden mindestens einen dieser Sätze schon einmal gedacht oder gesagt haben. Sie sind lästig, sie halten Dich von dem ab, was Du eigentlich machen wolltest: kreativ sein. Im schlimmsten Fall hindern sie Dich daran, Deine Kunstwerke fertigzustellen und sie der Welt zu zeigen. Und die Audience, die nicht wusste, dass sie Deine Kunst braucht, wird sie niemals zu sehen bekommen.
Im März 2025 ist das erste Self-Help-Buch der australisch-britische Autorin Amie McNee „We Need your Art“ erschienen und hat bei mir eingeschlagen, wie sonst kaum ein anderes.

Ich kannte ihre Inhalte bereits über ihren Instagram-Account @inspiredtowrite. Dort teilt sie kluge Weisheiten und provokante Statements zum Künstler:innen-Dasein. In ihrem Buch geht sie in die Tiefe: Sie benennt grundlegende Blockaden und stellt mit den dazu passenden Prompts Fragen, um eben jene aufzulösen.
Dabei geht es nicht nur um bildende Kunst, sondern um alles, was Du selbst als Deine Kunst definierst: Kochen, Klavierspielen, Sticken, you name it. Daher hat mir Amies Buch in so! vielen! Dingen weitergeholfen (nicht nur beim Kunst machen) und ich möchte Dich mit meinen drei Key Takeaways daran teilhaben lassen.
- Krön dich selbst!
Du bist Künstler:in, wenn du es dir erlaubst. Wie gesagt, hinter der Autorin, die diesen Text hier schreibt, steckt keine universitär ausgebildete Künstlerin. Ich darf es trotzdem sein. Denn Amie sagt: „You have too much creative power to be begging for someone in a suit to notice” (S. 32). Recht hat sie. Wenn ich mich selbst nicht als Künstlerin wahrnehme, wie sollen es dann andere tun? Wichtig ist also, sich selbst die Erlaubnis zu geben, Kunst zu machen und darüber zu sprechen und nicht auf die Anerkennung von Professor:innen, Galerist:innen, deinem Kunstlehrer aus der 6. Klasse oder deiner Mama zu warten. Danke, Amie!
- Shit!
Nur wenn wir daran gewöhnt sind, dass wir Fehler machen und nicht alles direkt perfekt aussieht oder klingt, können wir unsere Komfortzone verlassen. Also: „Make shitty art“ (S. 97). Mal drauf los und lass es hässlich werden. Male extra hässliche Dinge, male ohne Ziel und vertrau darauf, dass nur das und die Übung dich weiterbringen können. Wie sollen wir uns in unserer Kunst verbessern, wenn wir keine Fehler zulassen?
- People people people Pleeeaser
Jetzt wird’s unangenehm. Amie McNee spricht in einem Kapitel über Selbstzensur die Personengruppe an, die immer zuerst an andere denkt, als an ihre eigenen Bedürfnisse. Und das verträgt sich so mittel mit Kunst. Denn ohne es zu merken, schränken wir uns ein, in dem, was wir kreieren. Wir posten es nicht auf Social Media, weil “was wird wohl meine Freundin aus der 4. Klasse darüber denken, wenn ich jetzt beginne, Jesus in einem Kleid zu malen und dann Stoff auf das Bild zu nähen?”. Amie schreibt: “Get used to the feeling of making art that will provoke discomfort.” (S. 164). Gewöhn dich daran, dass du nicht allen gefallen wirst und tue es mit Absicht. Nur so gewöhnen wir uns an den “Cringe”, uns selbst und die Kunst ins Rampenlicht zu stellen. Nur so werden auch die Leute unsere Kunst sehen, denen sie richtig gut gefallen wird. Ich spreche aus Erfahrung.
Das Gefühl, das in mir entsteht, wenn eine Person eines meiner Werke betrachtet und in ein paar Sätzen genau das zusammenfasst, was ich mir über Monate dazu in Gedanken formuliert und dann bildlich umgesetzt habe, ist unbeschreiblich schön. Menschen mit unserer Kunst zu berühren, ist unbeschreiblich schön.
Deswegen zitiere ich hier Amie ein letztes Mal, in dem ich schreibe „We need your Art“!
Falls ihr das Buch auch gelesen habt, oder es noch tut, berichtet mir gern darüber auf Instagram @lamueller.art.
Und folgt Amie natürlich überall, wo es geht: Insta, Substack und kauft ihr Buch! Leider ist es bisher nur auf Englisch erhältlich.
Notwendiges PS in these days: Dieser Text wurde ohne KI erstellt. Ich bin gelernte Redakteurin und erfreue Euch hier mit meinem zweiten Skill neben der Kunst: dem Schreiben.